Wirtschaftswachstum
Aus Nuevalandia
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Gründe
A) Arbeitsplätze
- Die Aufgabe der Wirtschaft ist zu Rationalisieren, d.h. Arbeitsplätze zu streichen. Es ist ja auch eine schöne Sache für die Menschheit, dass uns Maschinen und Prozesse immer mehr Arbeit abnehmen. Die Wirtschaft muss also wachsen um für diese "nicht mehr benötigten" Menschen andere Arbeitsplätze bzw. Einkommen zu sichern.
B) Selbstzweck
- Aufgrund der Regeln in unserem Altland-Geldsystem (steigende Verschuldung -> steigende Zinsansprüche -> Wachstumszwang -> steigende Verschuldung etc.) wird ein (exponentieller) Wachstumsdruck auf unsere Wirtschaft ausgeübt.
- Selbst bei umsichtiger Politik der Notenbanken wird dieser überproportional wachsende Wachstumsdruck über die Jahrzehnte so groß, dass immer mehr Aktivitäten darauf ausgerichtet werden müssen und sich somit das Wirtschaftswachstum zum Selbstzweck entwickelt.
- Bedürfnisbefriedigung und steigender Wohlstand verkommen immer mehr zum Nebenprodukt bzw. sinken sogar (siehe Auswirkungen)
Wachstumsmöglichkeiten
Ein dauerhaftes (exponentielles oder lineares) Wirtschaftswachstum in Höhe der Zinsansprüche ist langfristig praktisch nicht möglich (dies propagiert der "Club of Rome" schon seit 1972):
- Die Grenze für materielles Wachstum (z.B. Auto, Kleidung etc.) sind unsere begrenzten Rohstoffe und der Platz den wir für Produkte benötigen
- Die Grenze für immaterelles Wachstum (z.B. Bildung, Theater etc.) ist die Zeit. Der Tag hat nur 24 Stunden und ich kann also maximal 24 Stunden pro Tag ins Kino gehen
- Qualitatives Wachstum geht nur degressiv (natürlich): Wir könnten zwar jedes Jahr Motoren bauen, die 10% weniger verbrauchen als im Vorjahr (10L->9L->8,1L->7,3L etc.). Aber es ist unmöglich jedes Jahr mehr Liter zu sparen als im Vorjahr (10L->9L->7,5L->5,5L etc.).
Nur in der Theorie wäre ein dauerhaftes (exponentielles oder lineares) Wirtschaftswachstum möglich, indem:
- wir andere Planeten und Sonnensysteme "erobern" (wobei selbst die Anzahl der Planeten begrenzt sind)
- wir Maschinen bauen, die sich unsere Filme ansehen, Tourismus betreiben und sonstigen "immateriellen Konsum" betreiben. Da Maschinen Rohstoffe benötigen müssten dies vielmehr Computerprogramme sein (praktisch unbegrenzt verfügbar und vervielfältigbar). Allerdings bräuchten diese Programme dann auch ein Einkommen um zu konsumieren. Außerdem braucht selbst ein Computerprogramm bzw. digitales Wissen Speicherplatz und der ist auch irgendwann endlich.
-> Unrealistisch bzw. wiederspricht dem Sinn des Wirtschaftens!
Teufelskreis
A) Arbeitsplätze
- Wir werden demnach langfristig immer weniger genügend Arbeitsplätze für unsere Bevölkerung zur Verfügung haben. Selbst in Ländern mit Geburtenrückgang gibt es "zu viele Menschen".
- Den Druck auf Arbeitslose weiter zu erhöhen ohne entsprechende fair bezahlte Arbeitsplätze löst die Ursache nicht.
B) Selbstzweck
- In jungen Volkswirtschaften oder nach großen Zerstörungen (z.B. Kriege) ist der Wachstumsdruck wünschenswert um die Unternehmer und Marktteilnehmer effizienter und fitter zu machen und schnell benötigte (materielle) Bedürfnisse zu befriedigen. Ausserdem gibt es noch viel "Freiraum" (neue Produkte, Märkte etc.) um dem Druck auszuweichen.
- In einem jungen Geldsystem (bzw. nach der Bereinigung durch eine Abwertung der Währung) spielen die zu erwirtschaftenden Zinsansprüche noch keine große Rolle und beeinflussen das Wirtschaftsgeschehen wenig. Da die Zinsansprüche überproportional zur Wirtschaft wachsen, wird der Druck auf die Wirtschaft, wachsen zu müssen, über die Jahre immer höher.
- In langjährigen, stabilen Geldsystemen ist der Käfig aufgrund der exponentiell steigenden Zinsansprüche sehr eng und die Freiräume für Unternehmer+Politiker wird weiter immer geringer. Da dieser Druck mittelfristig nie erfüllt werden kann, kommt es trotz Anstrengungen von Unternehmen, Staat und anderen Wirtschaftsinstitutionen immer wieder zu Krisen+Rezessionen. Ähnlich wie beim "Schwarzen Peter" gibt es dann immer einen (bzw. viele) Verlierer.
Wenn bei den Rezessionen "Geld verbrannt wird", wird wie bei einem Ventil etwas Druck abgebaut: Die Gesamtverschuldung (und damit gleichzeitig das Gesamtvermögen) nimmt ab -> die Zinsansprüche als Motor des Wachstumsdrucks werden geringer. Beispielsweise aufgrund:
- fallender Börsenkurse (Aktien, Rohstoffe, Fonds etc.)
- nicht eintreibbare Kredite von Gläubigern (z.B. durch Insolvenzen der Schuldner)
- Wertverlust von Immobilien (z.B. Platzen von Spekulationsblasen)
Der abgelassene Druck wird aber in kurzer Zeit wieder aufgebaut und es entsteht eine noch schärfere Konkurrenzsituation, da die Wirtschaft mit jeder Zunahme weitere Freiräume in der Realwirtschaft zum "hineinwachsen" verliert. -> Erneute Rezession
Die Krisen abzuwenden indem der Staat das "Druck ablassen" mit Krediten, Absicherungen und Subventionen verhindert, ist keine Lösung. Es ist nur eine Verlagerung der "immer heißer werdenden Suppe" in die Zukunft. Kurzfristig hat dies Sinn um einen "Flächenbrand" zu vermeiden, die Ursache (steigende Gesamtverschuldung) wird damit allerdings nicht bekämpft, sondern sogar gesteigert! Es ist wie Pyromanen bei der Feuerwehr einzustellen.
Auswirkungen
- Die immer wiederkehrenden Rezessionen verursachen Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und Staatsverschuldung
- In hochentwickelten Volkswirtschaften wie der deutschen verursacht der ungeliebte "Schwarze Peter der Insolvenz", einen Konkurrenzkampf, in dem es immer weniger um Innovationen und Verbesserungen geht als darum den Druck am geschicktesten weiterzugeben.
- -> Dies geht meist auf der Kostenseite zu Lasten von:
- Lieferanten: Preisdiktat bei Monopolstellungen wie z.B. in der Autoindustrie
- Arbeitnehmern: Reallohnrückgang seit den 90er Jahren
- Politikern: Forderung nach Subventionen, Steuersenkungen, öffentlichen Investitionen, Öffnung von Märkten, Senkung Umweltstandards etc.
- Umwelt: Die wachsenden Zinsansprüche können mit nachhaltiger Produktionsweise nicht erfüllt werden. Meist nur mit Raubbau bzw. Abwälzung der Folgekosten von Umweltverschmutzungen auf den Staat bzw. die Bürger.
- -> Auf der Umsatzseite führt es meist zu:
- Höhere Risiken: Das geforderte Wachstum ist in der Realwirtschaft immer weniger zu erzielen. Somit wird vermehrt mit immer riskanteren Spekulationen, Übernahmen etc. hantiert. Weniger als 5% der weltweiten Umsätze werden inzwischen in der Realwirtschaft erzielt.
- Preis- und Übernahmekämpfe mit Konkurrenten
- Verkauf von immer mehr "nicht Notwendigem" mittels "Bedarfsweckung" über Marketing, mediale Manipulation, Angst oder Surrogaten
-> Die Weitergabe des Druckes verschafft gesamtwirtschaftlich keine Druckentlastung, sondern lediglich eine Verschiebung. -> Zu einem immer geringerem Anteil verursacht der Druck sinnvolle Effizienzsteigerungen oder Deckung von wirklichem Bedarf. -> Der größere (und weiter wachsende) Anteil des exponentiellen Wirtschafstwachstums verursacht inzwischen mehr Schaden als Nutzen (siehe auch Bruttoinlandsprodukt). -> Die Ursache (überproportional wachsende Gesamtverschuldung) wird nicht bekämpft.
Lösungsmöglichkeit
A) Selbstzweck Der Zwang zum Wirtschaftswachstum als Selbstzweck (ähnlich einem krankhaftem Krebswachstum), jenseits von Befriedigung langfristiger menschlicher Bedürfnisse hat die Ursache im Zinssystem unseres Altland-Geldsystem. Der Lösungsweg beinhaltet
- Ein Neuland-Geldsystem aus dezentralen Währungen mit einem gegen Null tendierenden Zinsniveau nach Vorbild der Regionalgelder um die extreme Selbst-Akkumulation von Geld auf der einen und die immer extremere Armut auf der anderen Seite zu verhindern.
- Balance zwischen Eigen- und Fremdversorgung innerhalb regionaler Wirtschaftskreisläufe, welche weniger einkommens- bzw. geld- und damit auch wachstumsabhängig wären (s.Regionalwirtschaft)
B) Arbeitsplätze
Eine Lösungsmöglichkeit mehr Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen (ohne den Zwang des Wirtschaftswachstums) sowie einer Einkommensbasis für alle bietet das Neuland-Steuermodell in Verbindung mit einem bedingungsloses Grundeinkommen.
Anmerkung: Ohne den "Zwang" zum Wirtschaftswachstum wäre noch nicht gewährleistet, dass die Wirtschaft weiterhin unsere Biosphäre nachhaltig schädigt. Dies würde sich aber abschwächen und verantwortungsbewusste Staaten, Bürger und Unternehmen hätten eine bessere Ausgangsbasis diese Motive anzugehen. Als Lösungsmöglichkeit hierfür in Neuland bietet sich ein Neuland-Steuermodell in Verbindung mit einem bedingungsloses Grundeinkommen.
Weblinks
- Artikel Spiegel: Die Grünen kämpfen im NRW-Wahlkampf gegen die Wachstumsgläubigkeit Grüne gegen Wachstum
- Artikel Deutsche Welle von Beratern des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik über die Notwendigkeit, Realisierung und Auswirkung eines Schrumpfungsprozesses in der Wirtschaft: Unbequeme Wahrheit
- Artikel aus der "Zeit" über den Selbstzweck des Wirtschaftswachstums und Lösungsansätze: Online-Artikel in "Die Zeit"
- Artikel von Dr. Stefan Thiesen zu Auswirkungen auf die Beschäftigten im Angestelltenverhältnis: Online-Artikel in "politik-poker"
- Artikel Süddeutschen Zeitung: Der US-Systemanalytiker Dennis Meadows über eine Abkehr vom Wachstumscredo und die Frage, warum die Finanzkrise Umweltprobleme verschärft SZ-Interview
- Artikel Deutsche Welle, 3.8.2010: Während herkömmliche Ökonomen sich den Kopf zerbrechen, ob der momentane Aufschwung selbsttragend ist, setzen andere Wissenschaftler auf Nachhaltigkeit - und nehmen sogar ein sinkendes Wachstum in Kauf: Nachhaltigkeit statt Wachstum.

